Visuelle Analyse:

Liegen Probleme vor, bei denen ein Zusammenhang mit der visuellen Wahrnehmung bestehen kann, dann reicht es nicht die Augen und die Sehschärfe zu untersuchen. Es gibt Menschen die "Adleraugen" haben und die trotzdem schlecht sehen. Bei jeder Art von Sehproblemen ist eine visuelle Analyse erforderlich.

In der Analyse der visuellen Fähigkeiten werden die Basisfähigkeiten des Sehens überprüft, dazu gehören z.B.:

das Körperbewusstsein, die Qualität der visuellen Fähigkeiten, die Augenfolgebewegungen, Belastbarkeit dieser Fähigkeiten, Nahpunkt der Konvergenz usw.

Die Belastbarkeit der Fähigkeiten ist sehr wichtig und einfach zu verstehen: wird eine Fähigkeit untersucht, so dauert die Untersuchung vielleicht 1 Minute und das Ergebnis ist gut. So liefert diese Untersuchung keine Information darüber, wie lange die Fähigkeit gut beherrscht wird. Kann die Person das Niveau über den ganzen Schul- bzw. Arbeitstag aufrecht erhalten? Auf diese Frage gibt nur die komplette visuelle Analyse eine Antwort.

Die visuelle Analyse besteht aus

Anamnese

Entwicklungstesten

Funktionstesten

OEP

Pupillentest

Kampimetrie

Anamnese

Die Erhebung der Anamnese erfolgt über ausführliche Fragebögen und ein Gespräch. Sie dient zur genauen Bestimmung der Probleme und der Ermittlung von Ursachen und Zusammenhängen, die für den Laien nicht einfach zu erkennen sind.

Ein Beispiel: Normalerweise krabbelt ein Kind im Alter von ca. 10-11 Monaten. Im gleichen Alter entwickelt sich das visuelle Greifen. Das visuelle Greifen ist die Fähigkeit ein Objekt gezielt anzusehen (es zu fixieren), auch wenn es sich bewegt. Das muss sogar dann funktionieren, wenn man sich dabei selbst bewegt. Das Krabbeln ist eine Fortbewegungsart, bei der der Kopf nicht hin und herschaukelt, sondern still steht. Dadurch brauchen die Augen beim Krabbeln nicht aufwendig gesteuert werden. Das interessierende Objekt kann trotz der Körperbewegung konstant angesehen werden. Eine exakte Steuerung der Augen überfordert das Kind in diesem Entwicklungsstadion.

Fällt es einem Menschen (der nicht gekrabbelt ist) schwer, ein bewegtes Objekt konstant anzusehen, so kann das "nicht gekrabbelt sein" die Ursache für heutige Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten sein. Es soll Therapeuten geben, die ihre Patienten bei bestimmten Problemen eine Zeit lang krabbeln lassen.

Für die Visualtherapie bedeutet die Information "nicht gekrabbelt", dass dieser Mensch wahrscheinlich bei allen Übungen mit Augenbewegungen zusätzliche taktile Unterstützung braucht.

Das Erkennen solcher Zusammenhänge ist auch wichtig, um Eltern beraten zu können, bevor ihr Kind entsprechende Entwicklungsdefizite entwickelt.  

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Entwicklungsteste oder Teste der allgemeinen Grundfähigkeiten

Entwicklungsteste werden bei zwei Gruppen von Personen eingesetzt:

1) Bei Kindern, um zu ermitteln, ob sich die Fähigkeiten im normalen zeitlichen Rahmen entwickeln. Das bedeutet, zu einem bestimmten Alter müssen bestimmte Fähigkeiten beherrscht werden. Wichtig ist dabei, das jede Fähigkeit die Basis für eine höhere Fähigkeit ist. Denken Sie an des Krabbeln, ohne Krabbeln sind Schwierigkeiten im visuellen Greifen zu erwarten. Daraus resultieren Probleme in den Augenfolgebewegungen und in den Blickwechseln von einem Objekt zu einem anderen. Daraus resultieren LRS-Probleme und schließlich wird dieser Mensch es im Erwerb seiner Bildung schwer haben.

Ab einem Alter von 14 Jahren wird die Beurteilung der Ergebnisse von Entwicklungstesten schwierig. Kann ein Mensch etwas nicht gut, so meidet er diese Fähigkeit. Er entwickelt Kompensationen und findet so einen Weg mit seinen eingeschränkten Fähigkeiten zu leben. Dazu sind kleine Kinder noch nicht in der Lage.

Menschen, die von sich aus ihre mangelhaften Fähigkeiten verbessern wollen, sind eine Ausnahme.

2) Bei Erwachsenen, die als Folge einer Erkrankung oder Verletzung Fähigkeiten verloren haben. Hier spricht man nicht von Entwicklungstesten sondern von der Testung der allgemeinen Grundfähigkeiten.

Jede Art von Hirnschädigung kann die erworbenen Fähigkeiten reduzieren. Um Leistungvermögen neu aufbauen zu können muss man wissen, wieweit die Fähigkeiten beherrscht werden und wo Defizite bestehen.

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Funktionsteste

Sind Testungen der Qualität der erworbenen visuellen Fähigkeiten:

wie gut kann fixiert werden

wie gut werden die Augen über das Körpergefühl ausgerichtet

wie gut kann mit den Augen einem bewegtem Objekt gefolgt werden

wie gut klappt der Blickwechsel von einem Objekt zu einem anderen

wie stabil ist die Vergenz

wie gut ist das Bewusstsein zu den Begriffen "Schärfe / Unschärfe"

wie belastbar ist die Akkommodation

wie gut ist die Sehleistung

wie gut ist die Stereopsis

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OEP

Die OEP ist eine standardisierte Messreihe (21 Punkte Messung), in der die Belastbarkeit der visuellen Fähigkeiten überprüft wird. Die OEP wird schon viele Jahrzehnte angewandt (besonders in Englisch sprachlichen Ländern). Durch die lange Zeit, in der diese Messungen in gleicher Weise durchführt werden, sind die Messergebnisse vergleichbar. Es gibt Werte, die für eine gute visuelle Leistungsfähigkeit stehen und Werte, die bestimmte Probleme repräsentieren.

Es wird gemessen, wie viel visuelle Belastung (Stress) die Person ausgleichen kann. Irgendwann wird der Stress für jeden zuviel und er sieht doppelt. Der Eine hält eine visuelle Belastung aus, die im übertragenen Sinne einem Gewicht von 200 kg im Gewichtheben entspricht. Der Andere schafft eine Belastung die einem "Gewicht von 10 g" entspricht. Es ist sicher für jeden einsichtig, dass mit der Belastbarkeit von "10 g" im täglichen Leben Probleme entstehen. Fast alles, was man "bewegt" wiegt mehr als "10 g".

So extrem dieses Beispiel auch wirkt, es gibt Menschen, die im Visuellen schon bei der kleinsten Belastung zusammenbrechen. Zusammenbrechen bedeutet in diesem Zusammenhang: Leseunlust, Gleichgewichtsprobleme, Kopfschmerzen, Doppelsehen, funktionelle Einäugigkeit, Lichtempfindlichkeit, Augenbrennen usw.

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Pupillentest

Die Pupillen werden über das vegetative Nervensystem gesteuert. Der Sympathikus öffnet und der Parasympathikus schließt die Pupille. Im Normalfall befinden sich die beiden Nervensysteme in einem Gleichgewicht. Bei konstanten Lichtverhältnissen und stabiler Sehentfernung ist auch der Pupillendurchmesser stabil.

Die Akkommodation, die Fähigkeit Objekte in verschiedenen Entfernungen scharf zu sehen, wird auch über das vegetative Nervensystem gesteuert. Zeigt sich eine instabile Pupille, so ist auch die Akkommodation ungenau. Das bedeutet, das vegetative Nervensystem muss in Ruhe gebracht werden, Stress muss abgebaut werden.

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Kampimetrie

Bei der Kampimetrie handelt es sich um eine Art Gesichtfeldmessung. Aber anders wie Sie diese vielleicht vom Augenarzt her kennen. Bei dieser Messung geht es darum, wann wird dem Patienten bewusst, welche Farbe er gezeigt bekommt.

So wird gefragt: "Wann erkennen sie dieses Rot?" - "Welche Farbe erkennen sie?" Die sich ergebenden Farbfelder können je nach Farbe sehr unterschiedlich sein und geben wertvolle Hinweise über die Qualität der visuellen Wahrnehmung.

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