Sehen - Was ist das?

Das Sehen ist einer unserer Sinne. In frühster Vorzeit war er überlebenswichtig. Auch wenn im Allgemeinen unser Geruchssinn in der Steinzeit besser funktionierte als heute, so waren wir Menschen trotzdem immer Augenwesen. Wir brauchten die visuellen Informationen über Gefahren, Sicherheit und Nahrung. Heute ist das Sehen in einer anderen Weise noch wichtiger geworden. Es ist der Sinn, über den wir kodierte Informationen (geschriebene Buchstaben und Worte) aufnehmen und verstehen können.

Das Erfassen von Texten ist heute so wichtig wie in der Steinzeit das Finden von Nahrung.

Sehen bedeutet Wahrnehmen

Sehen ist mehr als nur die Abbildung in den Augen. In jedem Auge entsteht immer ein Bild des gesamten Raumes vor uns. Doch wir "sehen" nicht alles, was in den Augen abgebildet wird. Wir "sehen" nur das, was für uns wichtig ist. Unser Gehirn selektiert die eingehenden Informationen und lässt nur das bewusst werden, was für uns in diesem Moment von Interesse ist. Der Rest bleibt unbewusst. Wenn man so will, kann man sagen, das Gehirn sieht alles und wir sehen nur das, was das Gehirn uns erlaubt.

Es gibt Menschen bei denen selektiert das Gehirn die eingehenden Informationen der Sinne nicht ausreichend. Werden zu viele Informationen bewusst, so sprechen wir davon, dass die Person ein Konzentrationsproblem hat. Lässt das Gehirn jede eingehende Information ins Bewusstsein, so wird der Mensch geisteskrank und an Reizüberflutung sterben. Gelangen zu wenige Sinnesinformationen ins Bewusstsein, so liegt eine autistische Störung vor.

Die Selektion der eingehenden Informationen ist nicht einfach angeboren. Diese Hirnfähigkeit wird von jedem Menschen aktiv erlernt. Das bedeutet, die Selektionsfähigkeit entwickelt sich dadurch, wie wir aufwachsen und wie wir uns entwickeln.

Sehen ist eine subjektive Wahrnehmung

Der Geschmack und das Sehen sind beides Sinne. Obwohl sie anatomisch/physiologisch von Mensch zu Mensch gleich sind, erhält scheinbar jeder Mensch unterschiedliche Informationen über seine Sinne. Das was für den Einen "scharf" ist empfindet der Andere als "lasch".

Wenn die Wahrnehmung von der Anatomie/Physiologie der Sinne bestimmt wird, dann würde jeder Mensch den Geschmack einer Speise gleich empfinden. Das ist aber nicht so.

Die Menschen unterscheiden sich in ihrer Biografie. Selbst eineiige Zwillinge haben eine unterschiedliche Biografie. Um die Unterschiede zu erkennen, muss man nur genau hinsehen. Schon die Geburt unterscheidet sich. Die Geburt des ersten verläuft anders wie die Geburt des zweiten Zwillings.

Aus diesen Unterschieden in der individuellen Lebensgeschichte resultieren unterschiedliche Wahrnehmungen.

Alle Informationen unserer Sinne verarbeitet das Gehirn bevor sie bewusst werden. Das bedeutet, jede einzelne Information eines Sinnes wird mit den Informationen der anderen Sinne und mit der individuellen Erfahrung abgeglichen. Das Ergebnis dieses Abgleichs ergibt eine Wahrnehmung, die im Einklang mit unserer Erfahrung steht.

Wir nehmen nur das Ergebnis dieser Verarbeitung wahr.

Sinne

Da die eigene Erfahrung in diesem Prozess eine entscheidende Rolle spielt, ist jede Wahrnehmung subjektiv. Zusätzlich verstärkt das Wahrgenommene die eigene Erfahrung. Daraus resultiert nun wieder, dass die Subjektivität der Wahrnehmung im Leben zunimmt.

Vom Grundmuster her läuft der Prozess Wahrnehmung in jeden Sinn so ab, also auch im Sehen.

Wenn wir vom "Sehen" sprechen,
      dann meinen wir unsere "Wahrnehmen"

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